Bambus – die nachhaltige Alternative zum Holz
Terrassendielen – nicht aus Holz, sondern aus Gras?
Terrassendielen aus Bambus stellen eine gelungene Alternative zu Terrassenbelägen aus heimischen und tropischen Hölzern dar. Bereits in den 1990er Jahren entdeckte man diesen vielseitigen und schnell nachwachsenden Rohstoff für die Parkett- und Terrassendielenherstellung. Im gesamten asiatischen Raum gilt Bambus bereits seit Jahrhunderten als wichtige Kulturpflanze: Aus ihm werden nicht nur Alltagsgegenstände wie Geschirr und Möbel gefertigt, sondern auch im Gerüst- und Häuserbau findet diese besonders biegfeste und strapazierfähige Pflanze ihre Verwendung. Die Sprossen der meisten Bambusarten sind essbar und finden sich so in zahlreichen traditionellen asiatischen Gerichten wieder.
Herkunft
Die Gattung der Bambuspflanzen zählt zur Familie der Süßgräser. Für die Herstellung von Bodenbelägen wird ausschließlich die größte in der gemäßigten Klimazone vorkommende Bambussorte – der Moso-Bambus – verwendet. Er erreicht eine Wuchshöhe von 12 Metern, in seltenen Fällen sogar von 30 Metern, und einen Halmdurchmesser von 18 Zentimetern. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Zentral- über Ost-China bis nach Taiwan.
Inzwischen wird er aber aufgrund seines hohen wirtschaftlichen Nutzens im gesamten asiatischen Raum kultiviert. An einem Tag wächst Bambus bis zu einem Meter und zählt damit zu den schnellwüchsigsten Pflanzen der Welt. Dies macht ihn für die Parkett- und Terrassendielenherstellung besonders interessant. Brauchen schnell wachsende Baumarten circa 50 Jahre, um nachzuwachsen, kann Bambus alle fünf Jahre geerntet werden, ohne dass die Pflanze dadurch Schaden nimmt. Damit handelt es sich um einen besonders nachhaltigen und ressourcenschonenden Rohstoff.
Eigenschaften
Geeignet für die Parkett- und Terrassendielenherstellung ist Bambus, weil es sich um eine verholzende Grasart handelt. Verantwortlich für die Verholzung von Pflanzenzellen ist der Stoff Lignin, der bei Bambuspflanzen in ungewöhnlich hoher Konzentration vorkommt. So liegt der Ligningehalt des Moso-Bambus bei 34 %. Bei heimischen Nadelbäumen wie Kiefer oder Lärche liegt der Ligninanteil bei 32 % und die meisten Laubbäume kommen gerade mal auf ein Gehalt von 25 bis 30 %. Um aus den hohlen Bambushalmen Parkett oder Terrassendielen herzustellen, werden sie zunächst der Länge nach gespalten. Die einzelnen Lamellen werden anschließend über heißem Wasser gedämpft.
Dabei karamellisieren die im Bambus enthaltenen Mehrfachzucker (Polysaccharide) und die anfänglich gelb-grünen Lamellen erhalten ihre charakteristische gold-braune Färbung. Nach dem Trocknen werden die feinen Lamellen unter hohem Druck miteinander verleimt. Der fertige Block lässt sich wie tropische Harthölzer mit Hartmetallwerkzeugen gut bearbeiten. Durch die Verklebung weisen Bambusdielen ein besonders geringes Schwind- und Quellverhalten auf. Sie verziehen sich mit der Zeit kaum, reißen und splittern nicht. Aufgrund dieser herausragenden Eigenschaften sind sie als Teich- oder Poolumrandung besonders gut geeignet. Ihre Haltbarkeit im Außenbereich ist auch bei direktem Erd- und Wasserkontakt sehr gut. Dadurch entspricht Bambus der Dauerhaftigkeitsklasse I.
Besonderheiten
Wie Tropen- und thermisch modifizierte Hölzer können auch Bambusdielen in den ersten Monaten "ausbluten". Dabei werden bräunliche Inhaltsstoffe durch Witterungseinflüsse aus dem Holz gespült, die anliegende Bauteile wie Fassaden, Türen und Zäune bräunlich verfärben können. Doch lassen sich diese Verfärbungen mit Oxalsäure problemlos wieder entfernen.
Pflege
Durch die Verleimung sind Terrassendielen aus Bambus vor dem Befall durch Schädlinge wie holzzersetzende Insekten, Mikroorganismen und Pilze ausreichend geschützt, doch hilft sie nicht gegen das Ausbleichen der Bambusfasern unter direkter Sonneneinstrahlung. Dadurch wird der in den Zellen des Bambus enthaltene Stoff Lignin abgebaut. Nur die durchsichtig-weiße Cellulose bleibt zurück und lässt die Dielen silbrig-grau schimmern. Um diese Farbverluste auszugleichen, eignen sich pigmentierte Holzschutzmittel wie Lasuren, Lacke und Öle.
Da nur ein intakter Holzschutz dauerhaft vor Witterungseinflüssen schützt, sollte er regelmäßig auf Schadstellen überprüft und einmal jährlich erneuert werden. Verschmutzungen lassen sich mit klarem Wasser und einem Besen oder einer Bürste ganz einfach entfernen. Die Borsten sollten allerdings weich sein, um die Holzoberfläche nicht zu zerkratzen und den Holzschutz nicht zu beschädigen. Auf lösungsmittelhaltige Reiniger sollte ebenfalls verzichtet werden, da diese sehr aggressiv sind und die Verleimung der Dielen beschädigen können.
Alternativen
Tropenhölzer wie Teak und Cumarú oder thermisch modifizierte Hölzer (TMT).